“Guten Abend. Wir sind Genesis!” (Nachtrag vom 27.06.)

Mit diesen Worten (auf Deutsch) stellte Phil Collins gestern Abend zum Auftakt des „Turn it on again”-Düsseldorf-Konzerts in der LTU-Arena die Band vor.

Nicht, dass die Jungs (allen voran das Trio Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford) diese Vorstellung wirklich benötigt hätten! Immerhin umspannt die Bandgeschichte von Genesis jetzt schon rund vier Jahrzehnte, und das Publikum dürfte zum Großteil aus treuen Fans bestanden haben, die sich mittlerweile sogar auf mehrere Generationen verteilen.

Ich gebe zu, es fällt mir sehr schwer, über dieses Konzert einen sachlichen, objektiven und unvoreingenommenen Bericht zu schreiben – denn auch ich bin ein Fan – namentlich von Phil Collins (offen gestanden). Trotzdem war ich vorher noch nie bei einem Genesis-Konzert live dabei gewesen. Was ich allerdings gesehen hatte, war eine Aufzeichnung von 1992 live in Knebworth im Rahmen der „We can’t dance”-Tour. Jahrelang war ich davon ausgegangen, dass ich keine Möglichkeit mehr haben würde, die Band in eben dieser Konstellation (Collins/Banks/Rutherford) noch mal wirklich live zu erleben…

Ganz klar, Phil Collins ist als Frontmann ein dominierendes Element der Bühnenshow. Schlicht mit schwarzem T-Shirt gekleidet betritt er die Bühne: Ein spektakuläres Outfit braucht der Mann nicht, da genügen seine musikalischen Fähigkeiten zusammen mit seiner Ausstrahlung vollauf.

Die Playlist des Abends beginnt passenderweise mit „Turn it on!”, und dann holt Phil erst mal eine Digicam raus und fotografiert seinerseits das Publikum, bevor er dann seine beiden Kollegen namentlich vorstellt.

Es folgen „No Son of mine” und „Land of Confusion”, eine solide Wahl mit je einem Genesis-Hit aus den 90ern bzw. 80ern. Mit seiner Frage „Sind hier ältere Fans?” (wieder auf Deutsch) leitet Collins das folgende Stück ein, ein „alte, alte Stück”. Und ich gestehe, da muss ich kenntnismäßig passen, denn ich erkenne den Song definitiv nicht, der aber offensichtlich aus der frühen musikalischen Phase (70er?) der Band stammt und auch eine entsprechende charakteristische Länge hat.

An dieser Stelle noch ein Wort zu Collins’ deutsch-englischer Moderation: Schon früher, während seiner Solo-Touren, hatte ich mehrfach erlebt, wie er im deutschsprachigen Raum entsprechend auch einen Teil des Abends auf Deutsch die Songs angekündigt hat. Dazu hat er einmal erklärt, sich die Texte vorab phonetisch aufzuschreiben, weil er Deutsch eigentlich nicht beherrsche. Ich fand schon damals, dass das Ganze zwar eine sehr nette Geste war, dadurch aber auch ein bisschen Authentizität und Spontaneität verloren ginge. Insofern finde ich die aktuelle Variante mit dem häufigeren Wechsel zwischen Englisch und Deutsch sehr viel besser.

Gefallen hat mir auch die inhaltliche Erläuterung zu „Home by the Sea”: „Inside the Geisterhaus is Gespenster.” Untermalt wird das Stück übrigens (wie auch das gesamte Konzert) durch verschiedene Videosequenzen, die in Teilen an das schon erwähnte Knebworth-Konzert erinnern. Ein Eindruck übrigens, der sich durch den gesamten Abend zieht: Ähnlichkeiten mit vorherigen Live-Performances finden sich immer wieder. Das mag von manchen Kritikern vielleicht weniger gut bewertet werden, ich weiß es nicht. Meine persönliche Meinung hierzu: Was soll’s? Diese Tour ist eine Art „Best of” der Band-geschichte, und bestimmte Details jetzt in der Gegenwart wieder zu erkennen, ist wie die Begegnung mit einem alten Freund. So stört es mich also gar nicht, wenn während „Home by the Sea” das altbekannte Gesicht des Munch-Gemäldes „Der Schrei” auf der Bildwand erscheint oder die Abbildung eines Hauses, in dem Norman Bates sich vermutlich wohl gefühlt hätte.

Ach ja: Abgesehen von seinem Gesang ist Collins natürlich nicht zuletzt Drummer – und ein Konzert mit ihm wäre nicht vollständig, wenn er sich zwischendurch nicht auch immer mal wieder ans Schlagzeug setzen würde. Dabei wirkt er so, als hätte er tatsächlich immer noch viel Spaß an der Sache.

Zu “I know what I like (in your Wardrobe)” erscheinen ältere Photos der Band auf der großen Bildwand hinter der Bühne (auf Seitenmonitoren sieht das Publikum dabei den Abend hindurch Großaufnahmen der Live-Performance). Kommentar meiner Sitznachbarin angesichts einiger Photos von der „We can’t dance”-Tour: „Da hat er ja noch Haare!”

Und wieder folgt etwas Vertrautes: Phil Collins’ Tanz mit dem Tambourin, seine ganz persönliche Variante des Cheerleadings, mit der er das Publikum anheizt.

„Mama” (mit der markanten „dreckigen” Lache) erntet nebenbei bemerkt besonders frenetischen Applaus, und bei „Throwing it all away” erscheinen Großaufnahmen direkt aus dem Publikum auf der Bildwand. Entsprechend werden die betreffenden Personen sich möglicherweise schon bald auf DVD verewigt finden, denn genau diesen Abend haben Genesis sich für ihren offi-ziellen Konzert-Mitschnitt ausgesucht – was natürlich ein zusätzliches „Schmankerl” für die anwesenden Fans ist!

Ein weiteres Schlagzeugsolo bzw. Duett mit dem Drummer-Kollegen Chester Thompson irritiert mich am Anfang: Der Sound ist irgendwie so komisch! Dann erst bemerke ich: Moment mal, die trommeln gar nicht an den Drums, sondern auf irgendwelchen Stühlen herum! (Ich hatte meine Brille vergessen…) Erst nach und nach wechseln die Beiden schließlich zum regulären Schlagzeug über und liefern hier ein minutenlanges Solo bzw. Duett, was meine Nachbarin mit „Hammergeil!” kommentiert.

„Invisible Touch” (mein ganz persönliches Highlight unter den Genesis-Hits) stimmt wieder auffallend mit der Live-Version überein, wie sie auch bereits damals in Knebworth gespielt wurde – und gefällt mir deshalb umso mehr. Entsprechende Ähnlichkeiten finde ich auch bei „I can’t dance”, bis hin zu Phil Collins’ Mimik (woraus sich für mich die Frage ergibt, ob das wohl irgendwie mit „Muskelgedächtnis” zu tun hat…?).

Wer Genesis bereits live kennt, weiß natürlich genau, dass die Jungs auf der Bühne nicht einfach nur zu dritt sind, und jetzt ist es an der Zeit, dem Publikum auch die Stamm-Verstärkung der Band vorzustellen: Gitarrist Daryl Stuermer und Schlagzeuger Chester Thompson, für Fans natürlich ebenfalls alte Bekannte.

„Carpet Crawlers”, das Collins als “typical for our Genesis-Tradition” bezeichnet, beschließt ein wirklich gelungenes Konzert. Natürlich wird es – wie immer – irgendwelche Leute geben, die irgendetwas daran auszusetzen haben. Aber ich, ich bin sehr happy, dass ich Genesis in meiner Lieblings-Konstellation endlich doch noch live erleben konnte (wenn auch mit einer zeitlichen Verzögerung von rund 15 Jahren…)!

DANKE, JUNGS!

Und bleibt uns erhalten!

(27.06.07, S. Schönfeld-Wagner, www.susas-lounge.de)

 

(Anm.: Ja, der Artikel ist nicht mehr ganz aktuell… aber ich dachte, als “Einweihung” für meine neuen Kategorien “Entertainment” und “Veranstaltungsberichte” könnte er ganz passend sein…)